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Der König feiert in unserer Tennishalle!

Meiringen - Ein ganzes Dorf und viele Schwingerfreunde auf den Beinen: Die Feier für Schwingerkönig Matthias Glarner war ein Volksfest in einem Ausmass, wie man es in Meiringen sonst nur von der Altjahrswoche kennt.

Da sage einer, die Berner seien langsam. Kaum ein Tag war König Matthias Glarner in Amt und Würde, als Meiringen ihn feierte. Und wie. Um 11 Uhr morgens bekam zum Beispiel Markus Zumbrunn von den Feldschützen Unterbach ein Telefon, dass seine Fahne am grossen Umzug um 19 Uhr erwartet werde.

Der Aufmarsch auf dem Casinoplatz ist beträchtlich.Von der Kirchgasse her kommen die vereinigten Triichler. Matthias Glarner hat in der Altjahreswoche auch schon mitgetrommelt. Schulkinder und Kindergärteler stellen sich zum Spalier auf, einige Schweizer Fähnchen erinnern ans Fussball-Public-Viewing. Gemeindepräsident Roland Frutiger hält persönlich die gelbe Fahne mit dem Adler hoch und führt den Fahnenreigen an. Schwester Kathrin Glarner und Cousine Karin Anderegg flankierten den König im Ornat (Sennenmutz und Eichenlaub) in schmucken Haslitrachten.

Im Hofstaat des Königs marschierten 15 der 17 Berner Kranzschwinger im Umzug mit. Dieser endete etwas unkoordiniert bei der Tennishalle, wo eine Reihe von Königen den König Empfangen: Die Aktiven des Schlittschuhclubs Interlaken-Unterseen SCUI, die Glarner mittrainiert, stehen in voller Montur Spalier, Dreikönigskuchen-Kronen auf dem Kopf.

Schwingerkönig Matthias Glarner (links) und Simon Schmid, Präsident von Glarners Schwingklub Meiringen, in der rappelvollen Tennishalle. Bild: Markus Hubacher

 

Es dauert etwas, bie das Indoor-Fest beginnen kann, der Strom der Besucher reisst nicht ab. Schliesslich aber eröffnet Simon Schmid, Präsident des Schwingklubs Meiringen, den Festakt, etwas heiser, so eine Mischung von Rührung und Nachwehen des lautstarken Einsatzes in Estavayer. Zwei Sekunden nach dem Sieg von Matthias Glarner habe man beschlossen, bereits am Montag den König zu feiern.

Mättel, oder neuerdings auch Mätthel, hat obenaus geschwungen. Sascha Hediger, Bruder von Freundin Claudia Hediger hat flugs passende Fan-T-Shirts kreiert. Natürlich wurde am Fest erwähnt, wie die Liebe begann: Claudia war an einem Schwingfest Ehrendame, und Mättel schaute, dass er die obligaten Müntschi von ihr bekam.

Trauffer moderiert Glarners Fest, erteilt ihm Ratschläge, wie er künftig mit Journalisten umzugehen hat, in Glanz & Gloria oder der Schweizer Illustrierte, die ihn mit einem Cupli in der Hand in der Badewanne fotografieren werden. Kochen, sagte Glarner im Journalisten-Test, sei nicht seine Stärke, das überlasse er Claudia. «Da musst Du aufpassen, das kommt schon ein bisschen machohaft an» fand Trauffer. Und er stellte im Hinblick auf Matthias Glarners Arbeit bei den Bergbahnen Hasliberg eine Rechnung auf, wie viele neue Gondeli eventuell der Muni Mazot de Gremo wert sein könnte.

Unter den Anwesenden waren Paul Vogel, Präsident des eidgenössichen Verbandes, aber auch Regierungsrat Christoph Ammann. Das originellste Lob bekam Matthias Glarner von Albert Bachmann, Organisationspräsident des Eidgenössischen. Er sei «la cerise sur le gateau» gewesen, die Kirsche auf dem Kuchen, ein würdiger Schwingerkönig. Er hatte sich an Glarners Französisch gefreut und darüber, dass er den Nachwuchs unterstützen will.

Im Hoch ist Christian Hulliger, Präsident des Oberländischen Schwingerverbandes. Mit den Oberländer Kränzen von Simon Anderegg, Kilian Wenger, Bernhard Kämpf und Niklaus Zenger aus Habkern kann er zufrieden sein. «Unsere Stärke ist das ganze Berner Team», sagte er. Ein gutes Zeichen für den Unspunnen-Schwinget, der nächstes Jahr stattfindet? «Es hat sich gezeigt, dass es schwer wird, aber hoffen kann man immer.»

Als er das Verbandspräsidium vor drei Jahren antrat, hat er von einem Schwingerkönig nicht zu träumen gewagt. Der Schwingerkönig wird weiterfeiern. Am Mittwoch zum Beispiel in Heimberg, wo er wohnt. Die Gemeinde wird ihn um 20 Uhr in der Aula feierlich empfangen. (Berner Oberländer)